Schwarzes Theater
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        Ferienkalender 2016/2017

 

        

 

Schwarzes Theater

 

AG - PROJEKT "SCHWARZES THEATER"

Unsere Schule ist eine Brennpunktschule, die von Schülern aus mehr als 30 Nationen besucht wird. Durch die damit verbundenen Sprachprobleme ist auch das soziale Miteinander oft nicht einfach. Zudem haben vor allem Kinder, die ausschließlich in ihrer Muttersprache aufwachsen und nur in der Schule deutsch sprechen, erhebliche  Sprachbarrieren sowie Lese- und Rechtschreibschwächen. Gerade für solche Kinder ist das Theaterspielen eine erhebliche Unterstützung in allen angesprochenen Bereichen. Zudem bietet das Schwarze Theater einen großen Freiraum zur Entwicklung und Umsetzung der kreativen Fähigkeiten, die nach den Erfahrungen der ersten AG-Stunden bei den Kindern nur so sprudeln und bei allen Beteiligten immer wieder viel Freude und Gelächter hervorrufen.

URSPRUNG UND EIGENART DES SCHWARZEN THEATERS

Die Wiege des Schwarzen Theaters stand in China; es entstand dort als eine Spielform des Puppenspiels. Schwarz gekleidete Spieler bewegten die Puppen in einem Lichtkorridor, und nur die beleuchteten Puppen waren für das Publikum sichtbar.

In Deutschland war es der Zauberer Max Auzinger, der dieses faszinierende Medium um die Jahrhundertwende einführte. Zu dieser Zeit gab es nur wenige feste Theaterhäuser; daher zogen die Schauspieler mit Wagen durch das Land und zeigten ihr Können entweder in Gaststuben oder sie nutzten ihre Wagen als Bühne. Diese wurde mit Fackellicht erhellt und konnten je nach Plazierung und Intensität die gewünschte Atmosphäre erzeugen.

Auzinger schuf das so genannte "Schwarze Kabinett", indem er einen seiner Wagen innen schwarz anstreichen ließ und seine Schauspieler in schwarze Kostüme steckte. Es blieb nur das unverhüllt und somit sichtbar, was auch von den Zuschauern gesehen werden sollte. Auf diese Weise konnte Auzinger anscheinend Gegenstände und Personen schweben oder verschwinden oder Hände, Arme oder gar Köpfe losgelöst vom Körper auf der Bühne agieren lassen. Denn die Lichter am Bühnenrand machten es den Zuschauern unmöglich, alles Schwarze, was sich dahinter befand, zu sehen. Dadurch wurde es möglich, Effekte zu erzielen, die dem Publikum und nicht zuletzt auch den Spielern höchstes Vergnügen bereiteten.

Unter dem Hitler-Regime war das Schwarze Theater wie der Jazz als "entartete Kunst" verschrien und es wurde verboten. Dieser Ruf haftete ihm lange an; erst das bekannte "Schwarze Theater Prag" und insbesonders die Gruppe "Laterna Magica" machten es wieder bekannt und populär. Sie entwickelten ganze Theaterstücke und abendfüllende Programme. Doch erst seit etwa 15 Jahren erkennt man zunehmend den Wert dieses schier unbegrenzbar kreativen Mediums, das sich zudem auch mit vielen anderen Kunstformen verbinden lässt. Dies spricht einmal mehr für den Einsatz in der Schule.

SCHWARZES THEATER IN DER SCHULE

Gerade in der Schule bietet sich das Schwarze Theater mit all seinen Möglichkeiten ganz besonders an. Es ist geeignet für Schüler aller Altersklassen und setzt keine speziellen Talente oder Fähigkeiten voraus. Dies kommt gerade dem breiten Spektrum an unterschiedlichen Sprachen, Begabungen, aber auch Schwierigkeiten an einer Brennpunktschule wie der Schillerschule sehr entgegen.

Die Aufführungen dauern zwischen 30 und maximal 60 Minuten, da das UV-Licht die Augen sowohl der Akteure als auch der Zuschauer strapaziert und ermüdet. Sie können aus einzelnen Nummern zusammengestellt sein oder auch ein längeres Stück beinhalten. Einen ganz wichtigen Anteil nimmt dabei die Musik ein, während die Sprache in den Hintergrund tritt. Ein gewisses Gefühl für Rhythmus ist da allerdings ganz hilfreich.

Die Inhalte der einzelnen Nummern können ganz unterschiedlicher Natur sein, von Szenen aus dem Alltag in Schule und Familie bis hin zu künstlerischen Themen oder akrobatischen Darbietungen. Bühne und Technik sind mit etwas Übung schnell aufgestellt und es gibt viele verschiedene Anlässe, bei denen das Schwarze Theater eingesetzt werden kann. Einzige Voraussetzung: der Raum, in dem die Vorführung stattfinden soll, muss total verdunkelt werden können.

Ist einmal die Grundausstattung vorhanden, halten sich die Kosten in Grenzen, da mit einfachen Mitteln gearbeitet wird. Die einzelnen Utensilien können in Eigenarbeit hergestellt werden. So bekommen die Requisiten, die ein Kind selber für seinen Auftritt herstellt, einen ganz anderen Stellenwert. Außerdem erlernt es zusätzliche Fertigkeiten beim Zeichnen, Basteln und Werken. Auch der finanzielle Aufwand für Kostüme hält sich für die Schule in Grenzen; sie stellt lediglich die schwarzen Kapuzen sowie die Handschuhe zur Verfügung, die sonstige schwarze Kleidung bringen die Kinder selber mit.

Das Faszinierende für alle Beteiligten ist, dass schon mit ganz einfachen Mitteln eine große Wirkung erzielt wird. Man kann nicht viel falsch machen, die Kommunikation geschieht primär nonverbal. Dadurch, dass die Kinder sich nicht sichtbar produzieren müssen, sondern durch die besondere Verkleidung und Technik weitgehend unerkannt bleiben, haben auch zurückhaltende und scheue Kinder ein großes Vergnügen am Spiel. Und wenn mal was daneben geht, weiß keiner der Zuschauer, wer das war – Stillschweigen ist Ehrensache!

Es haben sich in den vergangenen Jahren immer wieder Eltern gefunden, die unsere Vorführungen gefilmt haben. Inzwischen nehmen wir allerdings die Generalprobe auf, da wir dann mehr Ruhe und mehr Platzmöglichkeiten für die Kamera haben. Alle Akteure bekommen dann am Ende des Schuljahres eine Kopie als schöne Erinnerung an dieses Abenteuer.

ZIELGRUPPE

Grundsätzlich können Schüler aller Altersstufen und Klassen mitmachen; wir bieten diese AG jedoch ausschließlich in der Grundschule an. Wichtig ist es, dass die Gruppen innerhalb eines Schuljahres konstant bleiben, denn sonst können keine Stücke in Ruhe und aufführungsreif erarbeitet werden.

Für uns ist es von großem Interesse zu erfahren, an welchen Schulen ebenfalls das Schwarze Theater angeboten wird.

Gibt es eine Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch oder gar zum gegenseitigen Besuch?

Bitte meldet euch!

B.Furthmann